Ist „Tag des guten Sehens“ eine gefährliche Mogelpackung?

Der “Tag des guten Sehens” ist, für den Berufsverband der Augenärzte, nicht mehr als Werbung für Brillen mit irreführenden medizinischen Argumenten. Mit diesem Tag startet das “Kuratorium gutes Sehen” im Auftrag des Zentralverbands der Augenoptiker (ZVA) eine Werbekampagne in 2.300 deutschen Schulen.

Mit einem “Aktionspaket”, dass aus Bastelbögen, Wimmelbildern und Informationsbroschüren besteht, soll klar gemacht werden, dass schlechte Schulnoten mit schlechtem Sehen im direkten Zusammenhang stehen.

Bei den Eltern werden bewusst, mit großteils haarsträubenden augenmedizinischen Argumenten, Ängste geschürt und sofort eine Brille als Lösung präsentiert.

Zum Beispiel werden Unlust beim Malen, Schreiben oder Feinarbeiten als Anzeichen für ein Sehproblem gewertet, kritisiert die Berufsvertretung der Augenmediziner.

Die Vorbereitung weiterer massenhafter “kostenloser Schulsehtests” durch Optiker, wie sie bereits seit einiger Zeit, oft in Zusammenarbeit mit Krankenkassen angeboten werden, sind Hintergrund der aufwändigen Kampagne des ZVA und ihrer PR-Organisation “Kuratorium gutes Sehen” .

Die Wahrscheinlichkeit, dass Fehlsichtigkeiten, vor allem Weitsichtigkeit, vom Optiker erkannt werden, ist gering, da der für den mobilen Sehtest verwendete Refraktometer sich nicht dazu eignet, alle Fehlsichtigkeiten im Kindesalter festzustellen.

Noch verhängnisvoller ist, dass der oberflächliche Schulsehtest den Eltern eine falsche Sicherheit vermittelt und sie Glauben, eine vorsorgliche Untersuchung durch den Augenarzt ist nicht mehr nötig. “Refraktionsfehler sind aber immer zunächst als Symptom zu betrachten. Bevor sie durch Sehhilfen ausgeglichen werden können, muss eine Augenkrankheit ausgeschlossen werden”, so Uwe Kraffel vom Vorstand des Berufsverbands der Augenärzte.

Die häufigste Form der Fehlsichtigkeit bei unseren Schulkindern ist die Kurzsichtigkeit. Eine augenärztliche Sehschärfenbestimmung ist unverzichtbar um Kinder und Jugendliche davor zu bewahren, eine extrem hohe Kurzsichtigkeit zu entwickeln.

Dazu könnte es von Zeit zu Zeit notwendig sein, so Kraffel, eine Augenuntersuchung unter Zykloplegie vorzunehmen, also die Aktivität der Ziliarmuskeln vorübergehend auszuschalten, um objektive Refraktionswerte zu bekommen. Optikern ist diese Untersuchung aber verboten.

2 Reaktionen zu “Ist „Tag des guten Sehens“ eine gefährliche Mogelpackung?”

  1. Steven H.

    Optiker können durch einen Sehtest zwar grob feststellen, dass ein Kind schlecht sehen kann, aber die genaue Ursache der Fehlsichtigkeit ist nur durch einen Facharzt feststellbar.

  2. Winfried Hartmann

    Hier werden falsche Informationen verkauft! Den Eltern der Kinder wird bei den Test der Besuch beim Augenarzt angeraten, wenn eine Fehlsichtigkeit festgestellt wird und die Zahl dieser Feststellungen ist enorm hoch, dies zeigt mir wie wichtig diese Tests sind!

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